ESSEN MOTOR SHOW

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Reifendruck-Kontrollsysteme (RDKS)

In vielen modernen Autos sind Reifendruck-Kontrollsysteme (abgekürzt RDKS; auch TPMS genannt, Tyre Pressure Monitoring Systems) verbaut – ein Komfort, der im Alltag überzeugt. Was viele Autofahrer noch nicht wissen: Ab 1. November 2014 wird die werksseitige Ausrüstung mit solchen Systemen für alle neu zugelassenen Pkw, Geländewagen und Wohnmobile Pflicht. Das schreibt die EU-Verordnung Nr. 661/2009 „im Interesse eines optimalen Kraftstoffverbrauchs und der Gewährleistung der Sicherheitim Straßenverkehr“ vor.

Die RDKS-Pflicht ist übrigens schon viel früher in Kraft getreten: Alle Kfz der genannten Fahrzeugklasse, die seit 1. November 2012 neu typengenehmigt wurden, müssen bereits ab Werk mit einem RDKS/TPMS ausgestattet sein.

Direkte und indirekte Messsysteme

Grundsätzlich gibt es zwei Messsysteme: direkte und indirekte. Beim direkten RDKS befindet sich in jedem Reifen ein Sensor, der den Reifendruck überwacht und den Fahrer bei einem Druckabfall unmittelbar warnt. Indirekte Reifendruck-Kontrollsysteme verwenden die Raddrehzahlen zur Feststellung eines Druckverlusts. Dabei werden alle vier Raddrehzahlen ständig über die vorhandenen ABS-Sensoren verglichen. Die ABS-Elektronik erkennt die höhere Rotation bei verringertem Luftdruck.

Mit der neuen EU-Verordnung soll einerseits die Sicherheit auf unseren Straßen verbessert, andererseits die Umwelt geschont werden. „Der Reifenluftdruck beeinflusst den Kraftstoffverbrauch. Daher wird mit dem optimalen Luftdruck Kraftstoff gespart und weniger CO2 ausgestossen“, erläutert Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer und Technikexperte beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV, Bonn). Das Mehr an Sicherheit und Umweltschutz ist jedoch nicht zum Nulltarif zu haben. Das werden die Autofahrer zwar nicht direkt beim Kfz-Kauf, dafür aber spätestens beim ersten Reifenwechsel merken; besonders bei direkt messenden Systemen. „Sowohl für den Kauf eines mit RDKS-Sensoren ausgestatteten, neuen Reifensatzes als auch für den Reifenservice in der Fachwerkstatt muss mit Mehrkosten gerechnet werden“, sagt Drechsler und erklärt: „Die Kosten sind in der komplexen Technik begründet, die einen zum Teil deutlich erhöhten Handling-Aufwand für die Werkstätten mit sich bringt.“ 

Der Verband hat dazu schon im vergangenen Jahr von einem REFA-Ingenieurbüro eine exakte Zeitmessungs-Studie realisieren lassen. Diese ergab, dass der zusätzliche Zeitaufwand für die Werkstatt pro Fahrzeug durchschnittlich zwischen 18 und gut 25 Minuten liegt; je nachdem, ob ein vorhandenes System beim Reifenersatz nur gewartet werden muss (was vorgeschrieben ist), defekte Sensoren ausgetauscht werden oder in Neuräder ohne RDKS erst die Sensoren eingebaut werden müssen. Unternehmen, die keinen Verlust machen wollen, müssen diesen Mehraufwand zwangsläufig in erhöhte Servicepreise einkalkulieren.

RDKS darf nicht deaktiviert werden

Wichtig ist, dass ein im Rahmen der neuen EUGesetzgebung verbautes RDKS/TPMS funktionsfähig sein muss, also nicht ausgeschaltet oder deaktiviert werden darf! Dies gilt unabhängig vom verbauten Radsatz (also Sommer- oder Winterreifen) und empfiehlt sich auch für bisher optional verbaute Systeme. „Im Rahmen der Fahrzeug-Hauptuntersuchung wird geprüft, ob das vorgeschriebene Reifendruck-Kontrollsystem funktioniert. Ist das nicht der Fall, liegt ein Mangel vor, der vom Fahrzeughalter unverzüglich beseitigt werden muss“, warnt Verbandsexperte  Drechsler.

RDKS-Pflicht eine Kostenfalle?

Hat die EU mit der RDKS-Pflicht also eine weitere Kostenfalle gebaut, die Verbraucher nicht umgehen können? „So einseitig darf man das nicht sehen“, sagt Hans-Jürgen Drechsler. „Denn die Autofahrer profitieren ja schließlich auch von den Systemen. Sie sparen Kraftstoff, fahren mit erhöhter Sicherheit und zudem verlängerter Laufleistung der Reifen, denn der optimale Luftdruck sorgt für verringerten Abrieb. Und wer den durch RDKS verursachten Mehrausgaben einmal die potenziellen Folgekosten eines Unfalls entgegensetzt, der infolge falschen Luftdrucks durch einen Reifenplatzer bei Tempo 140 oder mehr auf der Autobahn ausgelöst wird, kommt dabei schnell auf erheblich höhere Beträge!“

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