Chiptuning: SICHER NUR MIT GUTACHTEN

Die Angebote klingen verlockend. Mit ein paar Eingriffen am Steuergerät jede Menge PS aus dem Motor zaubern. Doch sind solche Operationen schädlich für das Herz des Autos? Und sind sie überhaupt legal?

Jede Menge Power, mehr Drehmoment und sogar Spritersparnis für relativ kleines Geld. Das versprechen zahlreiche Anbieter von sogenanntem Chiptuning häufig. Das Rezept: Durch einfache Optimierung des Motorsteuergeräts kitzeln sie mit einer Software mitunter mehr als 40 Prozent Leistung aus den Maschinen. Das geschieht meist durch eine Erhöhung des Ladedrucks und der Kraftstoffmenge im Brennraum. Bauliche Veränderungen am Aggregat bleiben dabei außen vor. Doch welche Risiken bergen solche Kraftkuren? Mit welchen möglichen Schäden ist zu rechnen? Und wie sieht es mit der Standfestigkeit des Triebwerks aus?

„Grundsätzlich lässt sich sagen, dass jede Leistungssteigerung ohne entsprechende Modifikationen an den mechanischen Komponenten, wie etwa Pleuel, Lagerschalen oder Kurbelwelle, und der Kühlung zu Lasten der Lebensdauer geht“, betont Hans-Ulrich Sander, Kraftfahrtexperte von TÜV Rheinland, und ergänzt: „Mehr als 20 Prozent bedeuten über kurz oder lang das Todesurteil für das Triebwerk.“

Unbedingt auf gültiges Prüfzeugnis achten

Den Einwand der Chiptuning-Befürworter, dass die Hersteller ein und denselben Motor schließlich in verschiedenen Leistungsstufen anbieten und er deshalb bis ans mögliche Limit ausgereizt werden kann, lässt Sander nicht gelten. „Mit jeder Leistungsstufe verändern die Autobauer in der Regel Bauteile, wie Turbolader, Kühlung, etc. Mitunter verwenden sie auch hochwertigere Materialien für Kurbelwelle, Nockenwelle, Ventile
usw. Das heißt: Selbst wenn die Blöcke von außen identisch erscheinen, müssen sie es noch lange nicht sein“, erklärt der TÜV Rheinland-Fachmann. Wer dennoch seinem Auto unbedingt ein paar Zusatz-Pferdchen spendieren will, sollte sich unbedingt einem anerkannten Fachbetrieb oder renommierten Markentuner anvertrauen. Doch die
Leistungsspritze gibt’s hier nicht zum Schnäppchenpreis. Da sind schnell 2.000 Euro und mehr fällig. Aber der Tuningfan ist hier auf der sicheren Seite. Seriöse Anbieter liefern ein gültiges Prüfzeugnis, z.B. Teilegutachten oder Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE für das jeweilige Modell), mit. Dann steht der Eintragung in die Fahrzeugpapiere bei einer Prüforganisation nichts im Wege. Darüber hinaus muss die Kfz-Versicherung über die Leistungssteigerung informiert werden. Das kann unter Umständen eine höhere Einstufung der Prämie zur Folge haben.

Ohne Änderungsabnahme erlöschen die  Betriebserlaubnis des Wagens und der Versicherungsschutz. Wer erwischt wird, zahlt ein Bußgeld und kassiert Punkte in Flensburg. Wiederholungstätern droht sogar ein Fahrverbot. Bei einem Unfall können die Versicherer Regress fordern. Und es kommt noch dicker: Da beim Chiptuning das geänderte Abgasverhalten nachgewiesen werden muss, ist ein kostenintensives Abgasgutachten notwendig. Darauf verzichten viele Anbieter im Netz. Das bedeutet: Eine Eintragung ist gar nicht möglich.

Einzelabnahmen können richtig teuer werden

Liegen weder Teilegutachten noch ABE vor, wird es bei einer Einzelabnahme richtig teuer: „Das vorgeschriebene, aufwändige Prüfportfolio umfasst bei einer Leistungssteigerung von über 40 Prozent zahlreiche Punkte und reicht von der Ermittlung der Motorleistung bis hin zur Dauererprobung über 2.000 Kilometer auf einer Rennstrecke. Da entstehen leicht Kosten von 15.000 Euro und mehr“, sagt Sander.

Besitzer von Neufahrzeugen sollten außerdem beachten, dass bei einem gechipten Motor im Schadensfall die Herstellergarantie verfällt. Wer sein Auto least, sollte auf jeden Fall die Finger vom Chiptuning lassen, denn dies ist laut Oberlandesgericht Frankfurt/M. eine vertragswidrige Nutzung und kann zu enormem Ärger bei der Rückgabe führen (Urteil vom 04.12.2014 – 12 U 137/13).

Weitere Infos zum Thema Tuning unter http://www.tuv.com/tuning oder http://www.facebook.com/legmichtiefer

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